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Baltikum - Eine Reise durch Litauen, Lettland und Estland

- Teil 7 -

 

Den Beginn unserer Reise finden Sie hier.


Matsalu Nationalpark

 

 

Der Nationalpark Matsalu liegt im Westen Estlands. Mit seiner Fläche von 486,1 km² umfasst er das Gebiet um die Bucht von Matsalu, die umliegenden Landgebiete, den Unterlauf des Flusses Kasari und das artenreiche Seegebiet Väinameri mit seinen über 50 Inseln. 1957 als Naturschutzgebiet Matsalu gegründet, wurde das Gebiet nach einer erheblichen Vergrößerung 2004 zum Nationalpark erklärt. Damit sind die zahlreichen Brut- und Zugvögel bestmöglich geschützt. 275 Vogel-, 49 Fisch- und 47 Säugetierarten wurden bisher im Park nachgewiesen. Darüber hinaus gibt es eine reiche Flora mit 772 teils seltenen Pflanzenarten.

 

 

Altmõisa Guesthouse im Dorf Tuuru im Kreis Lääne  - unser Zuhause für zwei Nächte 

 

Wir wurden mittags von Peep, einem der Guides von NaTourEst, am Hotel L'Ermitage in Tallinn abgeholt. Wir waren startklar, denn unsere Mitreisenden - zwei Engländer und zwei Schweden - für die nächsten Tage hatte er bereits anderorts eingesammelt. Nach gut 100 km Fahrstrecke hatten wir unser Ziel, das Dorf Tuuru erreicht. Am Nachmittag machten wir einen ersten Ausflug an die Küste.     

 

 

Schottische Hochlandrinder trotzten dem nasskalt - stürmischen Wetter

Der Vogelbeobachtungsturm Haeska am Nordufer der Matsalu-Bucht

 

Die Küstenwiesen und die flache Bucht sind ein beliebter Ort für Zugvögel. Leider war alles Federvieh sehr weit entfernt und das Wetter verdarb die Lust auf einen längeren Aufenthalt zur Vogelbeobachtung. 

 

 

Infotafel zu diesem Abschnitt des baltischen Küstenwanderwegs, der Teil des europäischen Fernwanderwegs E9 ist.

Weißwangengans - Barnacle Goose (Branta leucopsis)

Kiebitz - Northern Lapwing (Vanellus vanellus)

 

 

Am Folgetag waren wir am Vormittag noch einmal an der Küste, doch auch da war die Situation zum Bird Watching für uns nicht wirklich besser. Die Wetterbedingungen und die Entfernung zu unseren gefiederten Freunden, die wir zwar durch das Spotting Scope gut erkennen konnten, liessen sich halt nicht fotographisch erfassen. 

 

 

Singschwan - Whooper Swan (Cygnus cygnus) 

 

Am Nachmittag war Bert, ein weiterer Guide von NaTourEst, eingetroffen. Unser Ziel des Abends war es, Wölfe im Matsalu Nationalpark aufzuspüren. Er kannte die Sammelplätze zweier Rudel. Wolfswelpen werden zu dieser Jahreszeit immer selbstständiger, und die ruhigen Herbstnächte sind die beste Zeit, um sie zusammen mit dem Rudel heulen zu hören. Sie zu sehen, ist eher unwahrscheinlich.

 

Zum Glück hatte sich der Wind gelegt. Wir stoppten in der Finsternis, verliessen das Auto ganz leise und dann begann Bert, die Wölfe zu rufen. Drei- oder viermal imitierte er das Heulen eines Wolfes, dazwischen absolute Stille. Dann kam die Antwort mehrerer Wölfe aus der Ferne. Es war wie eine Unterhaltung zwischen Bert und dem Rudel. Er imitierte den einsamen Wolf, das Rudel antworte kurz darauf. Es war schaurig schön. Die Entfernung zu den Wölfen schätzte Bert auf ca. 2 km. Irgendwann verstummte ihre Antwort. 

 

Die nächsten Stunden fuhren wir alle möglichen Wege ab, um per Wärmebildkamera Wildlife aufzuspüren. Rehe, Wildschweine, Hasen und Marderhunde konnten wir entdecken, leider keinen Luchs, die es im Matsalu Nationalpark ebenfalls gibt. 

 

Es war bereits weit nach Mitternacht, als wir den Platz das zweiten Wolfsrudels erreichten. Es war der gleiche Ablauf wie beim ersten Mal. Bert rief die Wölfe und ein Wolf begann zu heulen und immer mehr setzten ein. Sie waren weit näher als beim ersten Mal. Bert fragte uns, ob wir noch ein bis zwei Stunden hier in der Dunkelheit der Nacht ausharren wollten, denn er sah die Chance, dass die Wölfe aufgrund ihrer Neugier und ihres Selbstvertrauens in der Dunkelheit zu uns kommen könnten. Wir alle waren todmüde und durchgefroren. So ging es zurück in unser Gästehaus.

 

 

Waldkauz - Tawny Owl (Strix aluco)

 


Alutaguse Nationalpark

 

 

Der Nationalpark Alutaguse mit einer Fläche von 443,31 km² wurde 2018 zum Schutz der Moor-, Wald- und Küstenlandschaften und des Kulturerbes Ostestlands gegründet. Das Schutzgebiet liegt in den ländlichen Gemeinden Alutaguse, Lüganuse, Jõhvi und Toila und besteht aus mehreren Teilstücken. Der Alutaguse Nationalpark ist Europas größter Lebensraum für Bären.

 

 

In der Nähe der Ortschaft Tudu hatte NaTourEst 86 Hektar Land gekauft, davon sind 72 Hektar mit Wald bedeckt.

Beobachtungshütten in Alutaguse von NaTourEst

 

Nach dem Frühstück machten wir uns auf den 245 km langen Weg nach Alutaguse. Für uns war eine der beiden Bären Beobachtungshütten von NaTourEst reserviert, wo wir die folgende Nacht verbrachten. 

 

 

Blick aus der Hütte in den Wald

 

Aus den nördlichen Hüttenfenstern geht der Blick in einen dichten Taiga-Wald aus Birken und Fichten. Aus den südlichen Fenstern blickt man auf eine ganz offene Landschaft mit einem breiten Bachlauf, Wiesen und Weidengebüschen. 

 

 

Kleiber - Wood Nuthatch (Sitta europaea) an einer Futterstelle vor der Hütte

Buntspecht - Great Spotted Woodpecker (Dendrocopos major)

Eichelhäher - Eurasian Jay (Garrulus glandarius)

Blick aus dem südlichen Fenster

Marderhund - Common Raccoon Dog (Nyctereutes procyonoides)

 

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Marderhundes umfasst das östliche Sibirien, das nordöstliche China, die koreanische Halbinsel und Japan. In Europa ist er ein Neubürger, der ursprünglich ausgesetzt wurde, um das Marderhundfell wirtschaftlich zu nutzen. Er ist nachtaktiv und Allesfresser.

 

Immer wieder streiften Marderhunde um die Beobachtungshütte, doch leider liess sich kein Bär blicken, was schon etwas enttäuschend war. Normalerweise werden sie mit etwas Fisch angelockt. Ob es in unserer Nacht getan wurde, wir hatten es nicht beobachtet.  

 


Lahemaa Nationalpark

 

 

Der Nationalpark Lahemaa mit einer Fläche von 747,84 km² wurde 1971 gegründet, um das für Nordestland charakteristische Natur- und Kulturerbe zu bewahren. Er schützt Wald-, Sumpf- und Küstenökosysteme sowie naturnahe Lebensräume, geologische und architektonische Denkmäler. Ein Drittel der Parkfläche gehört zum Finnischen Meerbusen. 

 

 

Sagadi Manor - das Herrenhaus

 

Das Gut Sagadi wurde erstmals 1469 erwähnt. Im Laufe der Zeit wechselte es mehrfach den Besitzer, und jeder von ihnen hinterließ seine Spuren. Sagadi gilt als eines der  herrschaftlichsten Güter Estlands. Heute gehört es zur staatlichen Forstverwaltung. Neben dem Hotelbetrieb beherbergt es eine Naturschule und ein Museum.

 

  

In diesem schönen Anwesen war wir für vier Nächte untergebracht, um den Lahemaa Nationalpark zu erkunden.

 

Unser Tagesablauf an diesen Tagen war stets ähnlich. Am Vormittag erkundeten wir verschiedene Gebiete von Lahemaa. Am späten Nachmittag bis in die Nacht hinein waren wir auf allen möglichen Forstwegen unterwegs mit dem Ziel, Luchse in freier Wildbahn zu finden.  

 

 

Vergi Harbor & Restaurant Wirkes und Vergi Leuchtturm  

Das Hochmoor Kõnnu Suursoo im nördlichen Teil des Kõrvemaa Naturreservats 

Zum Glück hatte es aufgehört zu regnen und die Sonne zauberte uns einen Regenbogen an den Himmel.

 

Das Naturschutzgebiet Põhja-Kõrvemaa wurde 1991 auf dem Gelände eines stillgelegten militärischen Übungsgeländes gegründet. Seit 1997 ist es Landschaftsschutzgebiet und seit 2007 ein Naturschutzgebiet.  Wälder, Moore, Seen und zwei Eisrandformationen aus der letzten Eiszeit prägen die Landschaft. Die Hälfte der 131,58 km² sind Hochmoore.

 

  

Blick vom Aussichtsturm auf dem Wanderweg Järvi-Aegviidu mitten im Kõnnu Suursood.

Wunderschön - wie mag es im Frühjahr und Sommer wohl ausschauen? 

Es ist Pilzsaison - keine Ahnung, ob da was Essbares dabei wäre. 

Oandu Loodusmetsa Rada

 

Der 4,7 km lange Oandu-Naturwaldweg führt durch verschiedene Waldtypen und natürliche Lebensräume. Er bietet die Möglichkeit, alte Bäume, Flechten, Pilze und Spuren von Waldtieren zu sehen. Entlang des Weges befinden sich Informationstafeln, die über die Entwicklung des Waldes und die vom Eiszeitalter geprägte Landschaft informieren.

 

 

Eine der schön gestalteten Infotafeln am Oandu-Naturweg - wir hofften, die Katze später auch in natura zu sehen.  

Kiefernkreuzschnabel - Parrot Crossbill (Loxia pytyopsittacus)

Blick vom Vogelbeobachtungsturm an der Eru-Bucht

Ein grosser Schwarm Weißwangengänse 

Der Natur- und kulturgeschichtliche Pfad von Käsmu

 

Die Halbinsel Käsmu zeichnet sich durch markante Felsformationen und große Felsblöcke aus, die sowohl im Wald als auch am Strand und im Meer zu sehen sind. Sie wurden von den kontinentalen Gletschern der letzten Eiszeit aus Finnland und Schweden dorthin transportiert.

 

 

Der Rundweg war leider noch durch umgestürzte Bäume vom letzten Sturm versperrt. Wir mussten umkehren.

Diese Bachläufe sind die Heimat der Biber, leider zeigte sich keiner bei unserem Stopp.

Elch - Moose (Alces alces), für uns eine erste Begegnung in freier Wildbahn 

 

Ab einer Stunde vor Einbruch der Dunkelheit ging es am Abend auf die intensive Suche nach Luchsen. An zwei Abenden wurden wir von Martin Piispea begleitet. Er ist absoluter Luchs Experte, beschäftigt sich seit Jahren mit der Lebensweise der Luchse in seiner Heimat, dem Lahemaa Nationalpark. Luchse bevorzugen es, immer die gleichen Wege zu nehmen und auf einem bestimmten Gebiet zu jagen. Mittels Kamerafallen hat er so das Raumnutzungsverhalten einiger seiner Schützlinge kennen gelernt. 

 

  

Luchsin auf der Halbinsel Pärispea

 

Es war viel Geduld gefragt, denn man muss mit drei bis vier Abenden stundenlanger Fahrerei in der Nacht rechnen, um erfolgreich zu sein. Die Bilder der Wärmebildkamera konnten wir auf einem Tablet verfolgen: Hasen, Rehe, Wildschweine, Marderhunde, zweimal ein Elch, auch war hier und da eine Katze zu sehen. Doch war der Stubentiger auf Mäusejagt zu klein, für das, was wir suchten. Am dritten Abend hatten wir Glück. Ganz in der Nähe von Martins Haus auf der Halbinsel Pärispea fanden wir eine Luchsin auf offener Fläche. Als sie aufstand, setzten wir unser Fahrzeug noch einmal um. Martin hatte aus seinen Erfahrungen das richtige Gespür. Die Katze wollte eine Brücke nutzen, um einen kleinen Bach zu überqueren.   

 

 

Eurasischer Luchs - Eurasian Lynx (Lynx lynx) 

 

Was für eine herrliche Katze und so nah. Wir standen wie gebannt neben dem Auto. Erst verharrte sie kurz am rechten Fahrbahnrand, dann lief sie wie erhofft über die kleine Brücke und verschwand im Wald. Wir waren an diesem Abend echte Glückspilze.  

 

Am letzten Morgen ging es nach dem Frühstück zurück nach Tallinn. Unsere Engländer wurden am Flughafen abgeliefert, unsere Schweden am Fährterminal und wir am Hotel L'Ermitage, denn bei uns folgte ja noch der zweite Teil der Stadtbesichtigung in der Hauptstadt, ehe es mit airBaltic und Deutscher Bahn zurück nachhause ging.  

 

 

 

*** ENDE ***

 

  


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